Was gehört zum Wesenskern von Bildung? Kommunikation, der Transfer von Einsichten, Wissen, Vernunft – in Sprache und Bildern. Der Wissenstransfer in der Weiterbildung beruht wesentlich auf Kommunikation; und dabei ist es einerlei, in welcher Form und über welches Medium dieser Transfer bestritten wird – ob Trainerstimme im Präsenzseminar, Text im Web oder Hörbuch.
Anbieter von Weiterbildung sollten deshalb zeigen, dass sie eine besondere Verantwortung walten lassen in der Kommunikation mit ihren Kunden. Da sind zunächst einmal die Marketingtexte, die in Newslettern, Flyern und Webtexten Gebrauch finden, sowie die allgemeinen und individuellen E-Mail-Aussendungen. Und da ist die direkte Kommunikation mit den Interessenten und Kunden. Diese findet ggf. sogar mit den Teilnehmern im Schulungszentrum statt; bevor aber ein Interessent Teilnehmer wird, hat man ihn zuerst am Telefon. Vielleicht ruft er sogar initiativ an, weil er eine Auskunft oder den Seminarkatalog für das nächste Jahr möchte.
Also nimmt der geneigte Interessent den Hörer oder das Headset zur Hand und wählt die Nummer. Die Situation kommt Ihnen vielleicht bekannt vor. Selbstverständlich gibt es jetzt verschiedene Möglichkeiten, spielen wir diese einmal durch:
Möglichkeit 1: ring-ring, ring-ring....
Auflegen und nochmals probieren. Vielleicht habe ich eine falsche Nummer gewählt? Nein die Nummer ist korrekt und korrekt eingetippt. Neuer Versuch: ring-ring, ring-ring,..... Auflegen!
Ein melancholischer Pedant würde sich jetzt ärgern. Als positiv gestimmter Mensch suche ich nach den Gründen hierfür. Z.B.: Dieser Schulungsfirma muss es richtig gut gehen - stelle ich mir gerade vor. Kunden belagern gerade in Haufen den Empfang, um noch unter stetigem körperlichen Einsatz den letzten freien Teilnehmer-Platz zu ergattern. Da können dann die Mitarbeiter an der Zentrale nicht auch noch Telefongespräche entgegen nehmen.
Oder aber, sie haben ihr Jahresziel schon vor langer Zeit erreicht, Telefon und PC sind abgeschaltet und alle auf Firmenausflug, als Belohnung für außerordentliche Leistungen und traumhafte Umsatzergebnisse.
Möglichkeit 2: ring-ring-ring-„vielen Dank für Ihren Anruf, leider sind gerade alle Telefone belegt, wir verbinden Sie sofort mit dem nächsten freien Gesprächspartner“, nach diesem Satz einer Stimme, deren künstliche Ausdruckslosigkeit die Lust auf jedes weitere Gespräch auslöscht setzt trommelfellzerfetzende Musik ein. Man hält den Hörer aus Selbstschutzgründen in Armeslänge vom Ohr weg und merkt nicht, dass die Leitung tatsächlich frei wurde - wer sich dann meldete, wird man nie erfahren ….
Möglichkeit 3: ring-ring-ring, knack „xjxjxjxjxjx am Apparat“ Solche Mitarbeiter wünsche ich mir, immer rationell, immer an den ROI denkend. Keine Zeit verlieren! Während sie den Hörer noch abnehmen, sprechen sie schon los, als wollten sie den nächsten Schnellsprechwettbewerb gewinnen – leider weiß ich weder, mit wem ich spreche, noch ob ich überhaupt die richtige Firma erreicht habe, nur dass jemand mit mir am Apparat spricht, das habe ich aus dem Vokale-Konsonanten-Rauschen schließen können. Immerhin: ich habe einen Menschen aus Fleisch und Blut erreicht, einen Unbekannten zwar, aber immerhin.
Variante zu Möglichkeit 3: „Was wollen Sie?“ haucht es mir entgegen. Und wieder habe ich es mit Gewinnern zu tun. Die arme Frau am anderen Ende der Leitung hat bestimmt schon seit zwei Tagen kein Auge mehr zugetan. Sie nimmt unermüdlich Anruf für Anruf entgegen, alles im Dienste der Kunden. Diesen Einsatzwillen lobe ich mir. Wo kann man solch engagierte Mitarbeiter nur finden? Doch hat die Sache einen kleinen Wermutstopfen. Merkt ihr Chef denn nicht, dass der Dame die Stimme fast versagt und ihre Begeisterung für das Unternehmen völlig abhanden gekommen ist. Ich hab ja schon fast ein schlechtes Gewissen, da noch angerufen zu haben. Chef, so geht das nicht. Achte auf Deine Mitarbeiter.
Ich versuche meine positive Energie auf sie wirken zu lassen. „Bitte senden Sie mir Ihren neuen Schulungsplan für 2009“ sage ich freundlich in die Muschel. „Sind aus, kommen erst nächste Woche wieder. Rufen Sie nochmal an“ und legt auf.
Na nichts lieber als das. Dann wird sie sicher wieder richtig fit sein. Bin gespannt wie sie mit frischer und freundlicher Stimme klingt.
Sensibelchen würden es vermutlich als schroffe Abkanzelung sehen. Aber wollen wir nicht alle pragmatisch und cool rüberkommen? Man muss es so sehen, die Ansage war doch kurz, prägnant und sofort auf den Punkt gebracht. Kein Gesäusel wie „schön das Sie anrufen“, oder „soll ich mir Ihre Adresse aufschreiben und Ihnen einen Katalog zusenden, sobald er wieder verfügbar ist?“.
Nein, ich gehe davon, dass sie ganz knallhart kalkuliert hat, da der Schulungsplan nicht verfügbar ist, und ich jetzt sowieso bei einer anderen Einrichtung anrufe, um dort einen zu bestellen. Im Sinne ihres Arbeitgebers hat sie also unnützes Porto eingespart. Von den Kosten eines Exemplars des Schulungsplans ganz zu schweigen. Endlich mal ein Mitarbeiter der mitdenkt, nach vorne schaut.
Selbstverständlich gibt es auch diese Variante: ring-ring-ring: „Die Firma All-Training, mein Name ist XY, was kann ich für Sie tun?“ mit freier und fester Stimme! Interessent: „Mein Name ist Gantenbein, ich hätte gerne Ihren neuen Seminarkatalog“. Antwort: „Der wird derzeit leider erst gedruckt, Sie können aber im Internet unser Gesamtprogramm schon einsehen und auch auf Ihren Computer herunterladen. Interessieren Sie sich für ein bestimmtes Thema, über das ich Sie schon einmal informieren kann? Ansonsten notiere ich mir Ihre Anschrift und Sie erhalten den Katalog druckfrisch ins Haus.“ Ja, so geht es natürlich auch, aber da muss man eben auch Mitarbeiter beschäftigen, die ihren Gesprächspartnern tatsächlich kompetente Produktauskunft geben können.
Summa summarum: nobody is perfect; aber es schadet nie, die eigene Unternehmung auch einmal von außen zu betrachten, wahrzunehmen, wie sie wahrgenommen wird. So manches lässt sich mit gutem Willen, ehrlicher Selbstkritik und etwas Phantasie mit wenig Aufwand korrigieren. Der Nutzen: das Schulungszentrum kommuniziert tatsächlich so mit dem Kunden oder Interessenten, dass man seine kommunikative Kompetenz wahrnimmt und diese auch bei der Vermittlung des Lernstoffes und der Seminarinhalte mit unterstellt. Die Kompetenz, die beim telefonischen (Erst)Kontakt ungezwungen ausgeübt wird, wird der Qualität des Anbieters immer zu Gute geschrieben. Das gilt selbstverständlich auch für andere Kommunikationsformen auf dem Bildungsmarkt, die Webseiten und Newsletter. Davon nächstens mehr.